Heiligabend und Weihnachten waren eigentlich unerwünschte Feiertage. Umgehen ließ sich dieser urdeutsche Brauch allerdings auch nicht, daher deutete die DDR-Führung Heiligabend und Weihnachten einfach um in ein Fest des Friedens.

Am liebsten wurden diese Feiertage einfach neutral als „das Fest“ bezeichnet. Dennoch freuten sich Pfarrer zu Weihnachten über volle Gotteshäuser, manchmal ärgerten sie sich auch, denn für den Rest des Jahres hielten sich die DDR-Bürger in dieser Hinsicht doch sehr zurück. Wer sich offen zur Kirche und zum Christentum bekannte, musste familiäre und berufliche Nachteile befürchten.

Mandeln und das Stollen-Schenkverbot

Für Westdeutsche waren Mandeln zur Weihnachtszeit selbstverständlich, für DDR-Bürger dagegen unerschwinglich. Aus diesem Grund kam DDR-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski auf eine kuriose Idee. Er forderte ein Stollen-Schenkverbot, denn dieses beliebte Weihnachtsgebäck enthielt nicht nur Mandeln, sondern auch Orangeat und Korinthen, alles Mangelware in der DDR. Der Gedanke dahinter: Würden keine Stollen mehr verschenkt, entfiele auch der Import dieser Zutaten gegen teure Devisen. Das Gesetz wurde jedoch nie umgesetzt.

Christstollen Weihnachtsgebäck

Geflügelte Jahresendfiguren und Jahresendzeit

Selbst die Bezeichnung Weihnachtsengel wurde umgedeutet in „geflügelte Jahresendfiguren“, ein Begriff, der einen tiefen Einblick in die verkorkste Denkweise der DDR-Granden bietet. Ob dieser Begriff allerdings staatlich verordnet oder doch nur ironisch verwendet wurde, ist bis heute nicht ganz klar. Überhaupt zeigte die DDR-Führung sehr viel Kreativität, um Weihnachten aus dem Bewusstsein der Bürger zu streichen. Das Weihnachtsgeld wurde als Jahresendprämie bezeichnet, während aus Weihnachten die Jahresendfeier wurde, eben typisches DDR-Beamtendeutsch.

Großväterchen Frost als Folklore-Rivale zum Weihnachtsmann

Wenn man gegen Weihnachten schon nichts ausrichten konnte, wurde zumindest das Vorbild aus der Sowjetunion importiert. Das russische Großväterchen Frost wurde zum Folklore-Rivalen des westlichen Weihnachtsmannes aufgebaut. Bei aller ideologischer Bemühung, den DDR-Bürgern das Weihnachtsfest auszutreiben, erkannten einige Funktionäre bereits 1982, dass der „Kampf gegen Weihnachten“ verloren war.

Weihnachtsbäume und Weihnachtspakete mit Lametta aus dem Westen

Auch in der DDR schrieben Kinder Wunschzettel, versammelten sich die Familien unter dem Weihnachtsbaum und sagen Weihnachtslieder. Die Mangelwirtschaft machte auch erfinderisch. Weihnachtsbäume gab es zwar vergleichsweise günstig und früh im Dezember, jedoch waren diese Exemplare wenig stattlich und dünn bewachsen.

So mancher kaufte einfach zwei Weihnachtsbäume, schnitt die Äste von dem einen ab und klebte sie an den anderen. Man freute sich über Pakete der Westverwandtschaft, die alles enthielten, was man im Arbeiter- und Bauernstaat nicht bekommen konnte: Kaffee, Jeans, Schallplatten und noch vieles mehr, vor allem Geschenke für die Kleinen. Auch Weihnachtsschmuck wie Lametta war willkommen, denn in diesem Fall musste das alte Bleilametta vom letzten Jahr nicht mühsam wieder aufgebügelt werden.

Weihnachtslieder, Schwibbögen und Braten

Wie die Nachbarn im Westen sangen die Familien auch hier an einer festlich gedeckten Kaffeetafel „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Klingglöckchen Kling“. Eine Holzpyramide drehte sich auf dem Tisch. Auch Schwibbögen waren in der DDR bekannt, diese bastelte man allerdings selbst, obwohl sich die Holzschnitzhochburg im Erzgebirge nicht weit weg befand. Die hier hergestellten Produkte gingen zwecks Devisenbeschaffung jedoch ins nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet. Auf dem Speiseplan standen ganz bescheiden Kartoffelsalat und Würstchen, was anderes gab es kaum. Ein Braten war Luxus, wenn dieser doch aufgetischt wurde, dann in Form einer ungarischen Gans.

Gemeinsamkeiten in Ost und West

Weihnachten in der DDR war zwar aufgrund der Einmischung der Staatsführung ein nicht christlich ausgerichtetes Fest, dennoch gab es zwischen Ost und West einige Parallelen und die meisten DDR-Bürger genossen diese Tage genauso wie ihre Verwandten in Westdeutschland.