Anklöpfeln – In Tirol, Südtirol und Oberbayern verbreiteter Brauch

Beim Anklöpfeln handelt es sich um einen alten Brauch, der in der heutigen Zeit insbesondere in Oberbayern, Südtirol und Tirol verbreitet ist. Dabei ziehen Kinder meist von einem Haus zum anderen, klopfen an, singen Lieder und erhalten kleine Geschenke zum Dank.

Diese Tradition findet immer in den Anklopfnächten statt, die auch als Klöpfelnächte, Klöpflesnächte, Kräflsnächte, Bosselnächte, heilige Nächte oder Anglöckelnächte bekannt sind.

So bezeichnet man die Nächte der letzten drei Donnerstage vor Heiligabend. Sie sollen als Einkehrbrauch die Suche nach einer Herberge von Maria und Josef vor Jesu Geburt symbolisieren.

Anklöpfeln – Geschichte und Hintergründe

Die Wurzeln der Anklöpfeln-Geschichte reichen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. Darauf deuten zumindest Überlieferungen hin. Zu jener Zeit war das Anklöpfeln aber eher ein weltlicher Brauch, mit dem zum Jahreswechsel erkundet werden sollte, was das neue Jahr an Glück und Unglück bringen würde.

Man klopfte dafür beispielsweise gegen die Stallwände und lauschte den „Worten“ der Tiere. Sie erzählten nach dem Anklöpfeln, welche Menschen im folgenden Jahr sterben sollten. Für diese Vorhersagen waren die letzten drei Sonntage vor Weihnachten gedacht. Nur in Tirol nutzte man als Klöpfeltage die drei letzten Donnerstage vor Weihnachten.

Nach und nach wurde die heidnische Tradition aber auch vermehrt in das christliche Brauchtum und die Vorweihnachtszeit eingebunden. 1520 beschrieb Johannes Boemus das Anklöpfeln erstmals als Heischebrauch der Kinder.

Infolgedessen wurde er immer wieder verboten und eingeschränkt, weil er als unchristlich empfunden wurde und gegen den öffentlichen Anstand verstieß. Erst im Rahmen der Gegenreformation kam es zu einer christlichen Ausformung des Anklöpfeln-Brauchs. Bis heute gibt es regional aber sehr große Unterschiede.

Wie wird das Anklöpfeln heute gestaltet?

Heute ist es üblich, beim Anklöpfeln Lieder aus der Adventszeit zu singen. Zum Teil wird auch die Herbergssuche von Maria und Joseph nachgeahmt. Zeitweise wurde das Anklöpfeln nahezu vollständig auf das Gabenheischen reduziert. Heute stehen aber im Allgemeinen vier Elemente beim Anklöpfeln im Vordergrund, die jedoch von Region zu Region stark unterschiedlich ausgeprägt seinen können:

  1. Das Segen- und Glückwünschen für den Jahreswechsel und eine erfolgreiche Ernte
  2. Das Heischen und die Übermittlung der Geschenke an die Klöpfler sowie die Bewirtung dieser
  3. Das Nachspielen des Weihnachtsgeschehens
  4. Das Aufsagen von Gedichten und Versen zwischen den Anklöpflern und den Hausbesitzern

Welche Zeremonien beim Anklöpfeln tatsächlich enthalten sind, hängt aber stark von der jeweiligen Region ab.

In welchen Regionen ist der Brauch verbreitet?

In vielen Regionen Deutschlands ist das Anklöpfeln überhaupt nicht bekannt. Das liegt daran, dass der Brauch vor allem in Oberbayern, Südtirol, Tirol und der Schweiz verbreitet ist.Eine besondere Variation wird dabei im Berchtesgadener Land gepflegt. Hier bezeichnet man den Brauch als Klöcklsingen.

Bis heute verkleiden sich dabei Kinder und Jugendliche als Hirten und gehen von Haus zu Haus. Nach dem Anklopfen singen sie vor der offenen Haustür Lieder und tragen Gedichte vor. Diese haben einen Bezug zum bevorstehenden Heiligabend.

Die Lieder und Gedichte werden dabei im heimischen Dialekt gesungen und aufgesagt. Oft wird der Brauch gepflegt, um das eigene Taschengeld aufzubessern. Aber auch zum Sammeln für eine Spende verfolgen viele junge Leute die Tradition des Anklöpfelns.

Fazit
Das Anklöpfeln war ursprünglich ein heidnischer Brauch, der wichtige Ereignisse des neuen Jahres vorhersagen sollte. Nach und nach wurde er als Heischebrauch von Kindern in das christliche Brauchtum sowie als vorweihnachtliche Tradition in die Adventszeit übernommen.

Bekannt ist das Anklöpfeln aber hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Auch in diesen Regionen gibt es teilweise erhebliche Unterschiede in der Ausführung des Brauchs. Meist geht es darum, für das Aufsagen von Versen und Gedichten kleine Geschenke zu erhalten.