Weihnachten in Polen: Traditionen & Bräuche

Wie in vielen anderen Ländern stehen Familie und Kirche zu Weihnachten in Polen an erster Stelle. Und auch der kulinarische Genuss kommt nicht zu kurz.

Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Polen einige Ähnlichkeiten, doch an der einen oder anderen Stelle auch spannende Abweichungen zu unseren Feierlichkeiten.

Weihnachten in Polen: Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in Krakau
Weihnachten in Polen: Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in Krakau

Weihnachten in Polen: Die wichtigsten Fakten und Unterschiede im Überblick

  • Im katholischen Polen ist Weihnachten ein wichtiges Familienfest und eines der traditionsreichsten Weihnachtsfeste der Welt.
  • Die Vorweihnachtszeit ist auch in Polen geprägt von vielen Weihnachtsmärkten, die mit vielen Ständen Besucher anlocken.
  • Typische Weihnachtsessen in Polen sind Barszcz (Rote-Beete-Suppe) und Piroggi (gefüllte Teigtaschen)
  • In Polen feiert man zwei Weihnachtsfeiertage: den 25. und den 26. Dezember.
  • Die Geschenke bringt nicht der Weihnachtsmann, sondern der Sternenmann mit seinen Helfern.
  • Nach der Überlieferung wird das neue Jahr so, wie man Weihnachten feiert. Deshalb bemühen sich viele Familien um ein ruhiges und friedliches Fest.

Weihnachtsbräuche und Traditionen: So wird in Polen Weihnachten gefeiert

Einige beliebte Traditionen haben einen volkstümlichen Ursprung, der zum Teil aus christlichen Bräuchen entstand. Typisch ist zum Beispiel das Schmücken des Christbaum an Heiligabend. In den meisten Familien dürfen die Kinder diese Aufgabe übernehmen, wobei der Baum natürlich zuvor von den Eltern aufgestellt wird.

Der Weihnachtsbaum soll im 19. Jahrhundert von deutschen Einwanderern nach Polen gekommen sein. Zuvor hatten die polnischen Familien ihre Häuser und Wohnungen aber schon mit Zweigen von Fichten, Kiefern und Tannen geschmückt.

Unter das Tischtuch legt man bis heute ein bisschen Heu, manchmal findet man es auch in den Ecken des Wohnzimmers. Das Heu steht als Symbol dafür, dass Jesus in einem Stall zur Welt kam. Gleichzeitig – so sagt es der Glaube – bittet man mit diesem Brauch auf dem Land darum, dass die Ernte im kommenden Jahr gut wird.

Polnische Weihnachten: Weihnachtsmarkt in Krakau
Polnische Weihnachten: Weihnachtsmarkt in Krakau

Polnische Weihnachten: Kleine Aufmerksamkeiten unter dem Teller

Geldmünzen gehören ebenfalls unter die Teller oder auch unter die Tischdecke, damit die Mitglieder der Familie im kommenden Jahr vor Armut geschützt sind. Besonderen Spaß haben die Kinder dabei, das Heu unter dem Tisch herauszuziehen. Grünes Heu steht für Wohlstand oder für eine anstehende Hochzeit, schwarzes Heu möchte man dagegen nicht finden, es bedeutet Unglück.

Sehr beliebt ist auch die kleine Nuss, die in einem Kuchenteig versteckt wird. Das Familienmitglied, das das Kuchenstück mit der Nuss findet, wird im kommenden Jahr besonders erfolgreich sein.

In Familien, die im vergangenen Jahr einen Todesfall zu beklagen hatten, wird eine weiße Tischdecke aufgedeckt, hinzu kommt ein zusätzliches Besteck. Es ist das Symbol der Erinnerung an das verstorbene Mitglied.

Auf dem Land wandern die Sternsinger heute noch von einem Haus zum anderen und stellen für die Bewohner die eine oder andere Szene aus der Bibel dar. Dafür bekommen sie ein bisschen Geld.

Nach einem alten Volksglauben hat das Weihnachtsfest übrigens noch eine ganz andere Bedeutung: Es ist das Symbol für das kommende Jahr. Kommt es am Fest zum Streit in der Familie, so nimmt man an, dass auch das kommende Jahr sehr beschwerlich und anstrengend wird. Gerade deshalb versuchen die meisten Familien übrigens, das Weihnachtsfest harmonisch zu feiern.

Die Weihnachtszeit in Polen in Fastenzeit

An Heiligabend trifft sich die ganze Familie zu einem Festmahl – doch traditionell feiert man diesen Tag in Polen ganz anders. Tagsüber wird nämlich gefastet. Früher ging das sogar so weit, dass man den Heiligen Abend nicht gefeiert hat, wenn er auf einen Sonntag fällt.

An Sonntagen ist es nicht erlaubt zu fasten. Deshalb hat man den Heiligen Abend in diesen Jahren auf den Samstag gelegt und die Weihnachtsfeiertage drei Tage lang begangen.

Heiligabend: Wiglia und Pasterka

Auf Polnisch heißt Weihnachten „Wigilia“. Das ist ein Ausdruck aus der lateinischen Sprache, er bedeutet „Wachen“. Der Heilige Abend beginnt in Polen mit einem Festessen. Typisch für den 24. Dezember sind Köstlichkeiten wie Hering oder Rollmops in einer Biersoße. Ländliche Leckereien stehen ebenfalls hoch im Kurs.

Dazu gehören zum Beispiel gefüllte Teigtaschen – die Pierogi – oder eine Rote Beete Suppe oder verschiedene Weihnachtspasteten. Der Nachtisch ist süß, hier stehen zum Beispiel Mohnrollen auf dem Tisch.

Polnisches Weihnachtsessen. Rote-Beete-Suppe
Typisches polnisches Weihnachtsessen: Barszcz (Rote-Beete-Suppe)

Traditionell werden am Heiligen Abend übrigens zwölf Gerichte gereicht. Das geht auf die zwölf Apostel von Jesus zurück. Mit dem Essen wartet man, bis der erste Stern am Himmel leuchtet. In der Winterzeit ist das etwa um 17.00 Uhr. In manchen Familien wartet man, bis der Polarstern erscheint.

Viele Familien gehen nach dem Essen gemeinsam zur Messe, der Pasterka. Eigentlich bedeutet das „Hirtenmesse“. Sie fängt etwa um 24.00 Uhr an und geht dann bis nach Mitternacht. Für Kinder gibt es eine Pasterka, sie findet früher statt.

Geschenke bringt in Polen der Sternenmann

Wenn das Essen vorüber ist, kommt die Bescherung. Polnische Kinder kennen allerdings keinen Weihnachtsmann. Sie warten auf den Sternenmann, er wird von den Sternenjungen begleitet. Sie sind seine Helfer und prüfen zuvor, ob die Kinder im letzten Jahr brav waren.

Die Weihnachtsfeiertage am 25. und 26. Dezember

Wie in Deutschland wird auch in Polen Weihnachten am 25. und am 26. Dezember gefeiert. Während der Heilige Abend – der Wigilia – kein Feiertag ist, kennt man den 25. Dezember sogar als den polnischen Nationalfeiertag. Er wird traditionell mit der Familie gefeiert. Der 26. Dezember verläuft ähnlich, so dass das gesamte Fest ganz im Zeichen der Familie und des guten Essens steht.

Diese Beiträge dich auch interessieren: